Arbeitsmarkt

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden den Arbeitsmarkt, je nach Branche, vor enorme Herausforderungen stellen. Die Zahl der Erwerbstätigen ging von April bis Juni 2020 so stark zurück wie noch nie seit der Wiedervereinigung, sie blieb aber in der Dimension deutlich hinter dem Wirtschaftseinbruch zurück. Ein Erfolg der schnell umgesetzten Kurzarbeiterregelung. Das strukturelle Problem fehlender Fachkräfte bleibt jedoch weiter bestehen, vom Physiotherapeuten über den Softwareentwickler bis zu Klimatechnikspezialisten. Dabei liegt der eigentliche Engpass bei Fachkräften mit Berufsausbildung und Weiterbildungsabschluss, weniger bei Akademikern.

Zahlreiche Kunststoffrohrhersteller und Rohrleitungsbauunternehmen suchen weiterhin neue engagierte und fachlich qualifizierte Mitarbeiter.

  • Im Kielwasser der Corona-Auswirkungen sollten wir über die Neujustierung von Weiterbildungen bzw. Umschulungen nachdenken, um freiwerdende Arbeitskräfte in Branchen mit hoher Nachfrage zu bringen.
  • Berufliche und handwerkliche Ausbildung müssen aus unserer Sicht eine weitergehende Aufwertung erfahren. In den vergangenen Jahren hatten viele junge Menschen den Eindruck, nur durch ein Studium ihre beruflichen Wünsche erfüllen zu können. Die nötigen Anreize können beispielsweise durch die breite Beibehaltung des Meisterhandwerks gesetzt werden. Das Engagement von Fachkräften, die ihr Wissen und Können über die gesetzliche Rente hinaus weitergeben möchten, sollte eine entsprechende Wertschätzung erfahren.
  • Fachkräfte und Engagierte, die aus dem Ausland zu uns kommen und arbeiten möchten, müssen aktuell noch viele Hürden überwinden. Zwar wurde ein erster Aufschlag mit dem Entwurf eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes getan. Der bürokratische Aufwand für qualifizierte Arbeitssuchende bleibt jedoch hoch - eine elektronische Aktenübermittlung von Bewerbern ist gar nicht erst vorgesehen. Wenn Arbeitswillige mehrere Monate auf ein Visum warten müssen, gibt es noch Handlungsbedarf.
  • Auch die Beschäftigung von Flüchtlingen ist weiterhin sehr komplex und für Unternehmen kaum durchschaubar. Wir sehen hier Möglichkeiten der Vereinfachung.