Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Kunststoffrohrverbandes in Kiel

Am 07. Und 08. Oktober 2021 kamen in Kiel viele verschiedene Menschen zusammen, um gemeinsam zu reflektieren, zuzuhören, Innovationen zu verabreden und Zukunft neu zu denken. Veränderung und Nachhaltigkeit waren die wichtigsten Themen und somit konnte eines der Hauptanliegen des Verbandes hier angenehm sicht- und hörbar gemacht werden.

„…mit Politik und Öffentlichkeit einen engagierten, konstruktiven Dialog über zentrale Zukunftsfragen des Industriestandortes Deutschland zu führen.“ Quelle: KRV-Impulse April 2021

Markus Hartmann, Geschäftsführer des Kunststoffrohrverband e.V., der diese Veranstaltung zum ersten Mal organisierte, nahm die Themen Veränderung und Nachhaltigkeit von Anfang an sehr ernst. Die Liste der Speaker war außerordentlich breit aufgestellt und lieferte die unterschiedlichsten Ein- und Ausblicke auf die für die Kunststoffrohr-Industrie relevanten Themenfelder. Hartmann erschuf so von Anfang an eine Atmosphäre der Wertschätzung und Gestaltung. Die Gäste der Jahrestagung, darunter Verbandsmitglieder, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen und Vertreter verschiedenster StartUp Unternehmen, konnten Dank Sonja Schrapp einer humorvollen und kurzweiligen Moderation lauschen und kamen in den Genuss verschiedenster hochkarätiger Speaker.

Nach kurzen und fröhlich vorfreudigen Begrüßungsworten von Marcus Wittmann, Geschäftsführer Fränkische Rohrwerke, und Markus Hartmann machte die einzige Referentin der Jahrestagung den spannenden Anfang.

Dr. Martina Baum, Referentin für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt der Landeshauptstadt Stadt Kiel, sprach darüber, wie Kommunen Wertschöpfungsketten für eine klimagerechte Gesellschaft mitgestalten können. Nachhaltigkeit und Klimaschutz seien die Themen unserer Zeit. Außerdem sprach sie sich sehr dafür aus, dass man auch in der Kunststoffindustrie weg von einer linearen hin zu einer Kreislaufwirtschaft kommen müsse. 

Als nächstes erfuhren die ca. 60 Gäste im Saal des schön gelegenen Atlantic Hotel Kiel von Johannes Grützner, Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein, wie die in den Startlöchern stehende Energiewende aus Sicht der Landesregierung angepackt werden müsse und könne. Er unterstrich, dass Schleswig-Holstein eine Vorreiterrolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien habe. Herr Grützner sprach hier nicht nur als Politiker, sondern stellte auch klar, wie sehr er sich und seine Generation in der Verantwortung für Kinder und Enkelkinder sehe.

Nach einer ersten kurzen Pause, die zum Reflektieren und Ausloten der gemeinsamen Gestaltungsmöglichkeiten einlud, kam Bernd Voß, MdL, Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Landtag Schleswig-Holstein zu Wort.

Ganz ohne Beamer, dafür aber mit viel Leidenschaft und Verve machte Voß Hoffnung. „Wenn wir zukünftig eine erfolgreiche Wirtschaft und freie Gesellschaft sein wollen, müssen wir schnell die erneuerbaren Energien ausbauen. Wir haben die Grundlagen. Wir können das.“ sagte er in seinem Vortrag „Klimaschutz und Klimaneutralität aus landespolitischer Perspektive“. Dem Grünen folgte ein CDU-Mann mit Schnapszahl. Heiner Rickers, MdL, im Landtag Schleswig-Holstein kam trotz jubiläumsreifem Geburtstag und bekam vor seiner Rede ein feines Ständchen gesungen. Sichtlich erfreut startete er dann in seinen Vortrag „Wie kann die Landespolitik zu geschlossenen Stoffkreisläufen beitragen?“.

In der nachfolgenden Mittagspause wurde nicht nur köstlich gespeist und Austausch betrieben, man interessierte sich auch sehr für die jungen Unternehmen und StartUps, die sich und ihre Angebote im Foyer präsentierten.

Mit dabei waren:
cirplus GmbH aus Hamburg "„Hochwertiger Rezyklateinkauf - digital und standardisiert“
Enlyze GmbH aus Köln "Alle Daten Ihrer Fertigung an einem Ort"
Merantix Labs GmbH aus Berlin "Nachhaltige und wirkungsvolle KI-Projekte"
Vaira UG aus Paderborn "Digitale Baumaßnahmen werden zum Kinderspiel"
IANUS Simolation GmbH aus Dortmund "Ihr Partner für Strömungssimulation in der Kunststoff-, Pharma- und Lebensmittelindustrie"

Viele Gespräche waren hier zu beobachten und viele Visitenkarten wechselten die Anzugtaschen. Neu und Bewährt kommen zusammen. Ein schöner und wichtiger Prozess zum Thema Veränderung.

Nach dieser sehr interessanten Pause ging es im Saal weiter mit der Sicht der Wissenschaft. Mit seinem Vortrag „Recycling von Kunststoffbauprodukten – welche Erfolge gibt es hier und was ist noch zu tun?“ startete Dr. Holger Berg vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH in die letzte Vortragsrunde. Um zukunftsorientiert Rezyklate nutzen zu können, müsse auch die Kunststoffrohr-Industrie genau wissen, was die Rohre an Inhaltsstoffen enthielten, wenn diese verlegt würden. Erst dann könne man sie in einigen Jahren wieder hervorholen und zu einwandfreien Rezyklaten verarbeiten. „Kunststoffrecycling im Bau steht vor besonderen Herausforderungen. Gerade hier ist „Design for Recycling“ und das Schließen konkreter Stoffströme besonders wichtig!“.

Den spannenden Abschluss im Reigen der Referent:innen machte Helmut Schmitz, Leiter Kommunikation und Public Affairs der DSD-Duales System Holding GmbH & Co. KG. - Der Grüne Punkt. Auch Schmitz, der kurzfristig für Michael Wiener eingesprungen war, machte auf die Wichtigkeit der Kreislaufwirtschaft aufmerksam. „Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz müssen zusammen gedacht werden, die klima- und wirtschaftspolitischen Beiträge werden deutlich unterschätzt – vor allem in Deutschland. Die Kreislaufwirtschaft gehört auf die Agenda, der Recyclingmarkt braucht Unterstützung, weil er sich nicht ausschließlich über Angebot und Nachfrage regelt. Es gibt heute noch keinen fairen Wettbewerb für Rezyklate. Wir müssen offen sein für neue Technologien, aber wir brauchen auch Fördergerechtigkeit, um Fortschritte zu erzielen! Sowohl chemisches als mechanisches Recycling verdienen gleichermaßen Unterstützung!“.

Sechs verschiedene und vielversprechende Vorträge, die allesamt auch jedes Mal mit einer sehr informativen Fragerunde aus dem Publikum endeten, lagen am Nachmittag bereits hinter den interessierten Zuhörern, als es noch eine große Podiumsdiskussion gab. Zu der Moderatorin und den Speakern gesellten sich nun noch zwei Mitglieder des Kunststoffrohrverbandes, Hendrik Ertl, Geschäftsführer der Firma Bänninger Kunststoff-Produkte GmbH, und Dominik Scherer, Leiter Global Business Development im Bereich Nachhaltigkeit der Firma GF Piping Systems Ltd. In dieser offenen Diskussionsrunde, mit reger Beteiligung der interessierten Gäste, wurde schnell klar, dass der begonnene Wandel nur gemeinsam funktionieren kann.

Die Politik wünscht sich Visionen und konkrete Ideen von der Industrie.
Die Kunststoffrohrbranche wünscht sich Transparenz und Begleitung durch Wissenschaft und Politik und die Wissenschaft wünscht sich gute und saubere Rezyklate für die Kunststoffrohre der Zukunft.
Alle wünschen sich eins:
Nachhaltigkeit und eine planbare und gesunde Zukunft.

Mit großem Applaus und leckeren Geschenken verließen alle Speaker sehr zufrieden die Bühne und die, die noch Zeit hatten, trafen am Abend auf Deck 8 des Atlantic Hotels wieder mit allen Gästen zusammen.
So endete bei Cocktail, Bier, Dinner und wunderbarem Ausblick eine sehr gelungene und mutmachende Veranstaltung. Die 64. KRV-Jahrestagung.


Am nächsten Tag trafen sich alle Mitglieder des Kunststoffrohrverbandes von 9:30 Uhr bis 12:30 Uhr noch einmal im bekannten Saal und hielten, diesmal ganz ohne Moderatorin, ihre jährliche Mitgliederversammlung ab. Neben wichtigen Themen wie Rückblicke auf Finanzen und Tätigkeitsberichte, sowie Ausblicke auf Schwerpunkte für 2022 wurde auch ein neuer Vorstand gewählt.

Mit herzlichem Applaus verabschiedeten die Mitglieder Udo Jirmann, Geschäftsführer Georg Fischer GmbH, aus dem Vorstand des KRV.

Oliver Denz, Geschäftsführer Westfälische Kunststoff Technik GmbH wurde erneut in den KRV Vorstand gewählt.

Neu in den Vorstand gewählt wurden außerdem
Marc Besserer, EMEA Vice President Aliaxis Deutschland GmbH,
Uwe Grebe, Managing Director Georg Fischer DEKA GmbH, und
Dr. Ansgar Strumann, Geschäftsführer egeplast international GmbH.

Der neue Vorstand setzt sich demnach aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Marcus Wittmann, Geschäftsführer Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH + Co. KG (Vorsitzender),
Volker Rühle, Geschäftsführer Wavin GmbH (stellv. Vorsitzender),
Marc Besserer, EMEA Vice President Aliaxis Deutschland GmbH,
Oliver Denz, Geschäftsführer Westfälische Kunststoff Technik GmbH,
Uwe Grebe, Managing Director Georg Fischer DEKA GmbH,
Peter Schönbach, Senior Sales Manager Borealis AG,
Dr. Ansgar Strumann, Geschäftsführer egeplast international GmbH und
Markus Hartmann, Geschäftsführer Kunststoffrohrverband e.V.

Zum Schluss wurde noch über Ort und Termin für die Mitgliederversammlung in 2022 abgestimmt und nach einem nordischen Imbiss konnten alle zufrieden und voller neuer Ideen und spannender Eindrücke ihre Heimfahrt antreten.